Geschichte

Gründung – Nach jahrelangem Tauziehen

der Weiterbildung Nephrologie für Krankenpflegekräfte in Deutschland eine formale Grundlage zu geben, hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am 09.03.1995 in ihrer 182. Vorstandssitzung ein „Muster für eine landesrechtliche Ordnung der Weiterbildung und Prüfung zu Krankenschwestern, Krankenpflegern, Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpflegern in der Nephrologie“ als Empfehlung verabschiedet. Sie hat zugleich beschlossen, dass – solange in einem Bundesland eine landesrechtliche Regelung der Weiterbildung im Sinne der Empfehlung nicht besteht – die DKG die Anerkennung der Weiterbildungsstätten nach Maßgabe der Empfehlung vornimmt.

Das Inkrafttreten der Empfehlung wurde auf den 1.Mai 1995 festgesetzt. Damit war in Deutschland eine bundesweit gültige Weiterbildungs- und Prüfungsverordnung in Kraft. Jeder Teilnehmer einer Weiterbildung in allen Bundesländern konnte unter gleichen Bedingungen die nephrologische Weiterbildung absolvieren. 23 Einrichtungen haben die Weiterbildungsstätte nephrologischer Zentren Rhein-Ruhr ein Jahr später gegründet. Im Jahre 1996 fand der erste Kurs nach den Übergangsregelungen statt. Nachdem 1997 der erste zweijährige Kurs begann, startet seitdem jährlich ein Weiterbildungslehrgang an der Weiterbildungsstätte.

Der Erfolg der Maßnahme lässt sich unter anderem an dem stetigen Zuwachs der Kooperationspartner (in 2004 mit 69 Einrichtungen) ablesen. Auf dem Bild sehen Sie Gründungsmitglieder nach einer Sitzung.



Entwicklung der deutschen nephrologischen Pflege

Die folgende Arbeit wurde von Herrn Reichardt im Rahmen seiner Weiterbildung zum Lehrer für Pflegeberufe geschrieben. Sie gibt einen Überblick der Entwicklungen in der deutschen nephrologischen Pflege.

1. Die Zeit vor der künstlichen Niere

„Nieren- und Blasensteine treibt man ab, wenn man Igelsblut trocknet, pulverisiert und in Wasser eingibt.“ „(Mosis in Sechstes und siebentes Buch Mosis 1995, Seite 113)

Dieses sicherlich nicht wissenschaftlich überprüftes Zitat soll zeigen, daß die Menschheit sich seid langer Zeit Gedanken über nierenerkrankte Menschen macht. In dem Zeitalter vor der Nierenersatztherapie, sei es die künstliche Niere, die Peritonealdialyse oder die Nierentransplantation, wurden die Patienten gezwungenermaßen nur symptomatisch behandelt.

Der älteste von mir gefundene Bericht dazu beschreibt im Zusammenhang mit dem gefürchteten Katheterfieber bei Prostatikern, daß es:

„Aber, sobald es sich um Fälle von längerer Dauer der Krankheit handelt, mischen sich die Symptome, es treten neben jene reinen Infectionserscheinungen diejenigen der Intoxikation, als welche besonders hervorstechen die allgemeine Abgeschlagenheit, die Trockenheit der Zunge, die Kleinheit und Irregularität des Pulses; In extremen Fällen überwiegen diese Erscheinungen durchaus, und mit Recht sind diese fieberlosen, ja mit subnormaler Temperatur verlaufenden Formen am meisten gefürchtet – sie beweisen eben, dass der Körper unter der dauernden Einwirkung einer schweren Vergiftung steht, die allmählich durch Herzlähmung zum Tode führen kann.“

….. „Sie leiden in dieser Periode oftmals an Krankheitserscheinungen ganz allgemeiner Art, an Prostration, Uebelkeiten, Erbrechen, an Herz- und Darmstörungen, und diese Symptome treten vielfach so in den Vordergrund, dass etwa ein schweres Magenleiden vermuthet und behandelt wird, bis eine genauere Untersuchung den Sachverhalt aufklärt. Kein Zweifel, dass es sich hier um eine Retention von Harnbestandtheilen im Blut, um eine Urinämie handelt – und kein Zweifel weiter, dass hier ganz wesentlich eine Blutverdickung infolge mangelhafter Harnausscheidung, oder, wie man jetzt zu sagen pflegt, eine gesteigerte moleculare Concentration des Blutes vorliegt, die sich durch eine Erniedrigung des Gefrierpunkts kundgibt.“

(Leyden, E. von, Klemperer, F. in Die deutsche Klinik, 1905, Seite 43)

Fast 100 Jahre sind diese Aufzeichnungen alt, aber sie zeigen, daß die Gelehrten dieser Zeit schon eine recht gute Vorstellung von der Nierenerkrankung hatten. Selbst heute noch verwendete Fachbegriffe werden hier benutzt. Gewöhnungsbedürftig ist die Rechtschreibung, die natürlich in den Zitaten so übernommen wurde.

1918 schrieb F. Volhard im Kapitel Erkrankungen der Nieren, des Nierenbeckens und der Harnleiter:

„ Die Nieren sind die Hauptausscheidungsorgane des Körpers. Ihre Funktion ist lebenswichtig. Wohl kann das eine der paarigen Organe für das andere eintreten, – Verlust einer Niere wird ohne Störung ertragen und die Gesamtausscheidungsarbeit von der anderen gesunden Niere übernommen, – Verlust beider Nieren aber führt unbedingt zum Tode, ebenso jede dauernde Aufhebung der Nierentätigkeit, durch Verschluß beider Ureteren, durch toxische oder entzündliche Anurie. Es gibt kein anderes Ausscheidungsorgan, das vikariierend für den Verlust beider Nieren eintreten könnte.

Das Abscheidungsprodukt der Niere, der Harn, enthält Wasser, Salze und die Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels. Die Endprodukte des Fett- und Kohlehydratstoffwechsels werden in Form von Wasser und Kohlensäure durch die Lunge ausgeschieden.

Eine ausreichende vikariierende Ausscheidung von Wasser und Salzen durch Haut und Darm wäre bei äußerster Einschränkung der Salzaufnahme vorstellbar. Andererseits können in Form von Ödemen sehr große Mengen von Wasser und Salzen im Körper zurückgehalten werden, ohne Gefährdung des Lebens. Demnach sind es die Produkte des Eiweißstoffwechsels und diese allein, deren Zurückhaltung im Körper das Leben bedroht. Bei aufgehobener oder ungenügender Ausscheidung durch die Niere häufen sie sich im Blute an und der Grad ihrer Vermehrung im Blute kann als Maß für den Grad der Niereninsuffizienz betrachtet werden.

…… Bei der renalen Anurie kann unter Umständen der Versuch gemacht werden, durch reichliche Wasserzufuhr evtl. durch intravenöse Kochsalzinfusionen eine Diurese zu erzwingen.“

( Volhard, F. in Mohr, Prof. Dr. L., Staehelin, Prof. Dr. R., Handbuch der Inneren Medizin, 1918, Seite 1149 und 1225)

1921 wurde bei der Therapie von Nierensteinen zwischen einer allgemeinen und einer allopathischen Behandlung unterschieden:

„Allgemeine Behandlung: Leichte Anfälle bekämpft man mit heißen Umschlägen und heißem Tee. Bettruhe ist stets anzuordnen. Erschütterungen des Körpers, Tanzen, Reiten sind in der Folge zu unterlassen. Die Bildung weiterer Steine sucht man durch passende Diät zu verhindern. Zu diesem Zwecke muß der Stein mikroskopisch und chemisch untersucht werden, da er aus verschiedenartigen Salzen gebildet sein kann.

Allopathische Behandlung: Bei den Steinkoliken wirken am besten und sichertsten die Narkotika; Morphium eingespritzt behebt den Anfall meist sofort.“

(König, Dr. F., Ratgeber in gesunden und kranken Tagen, 1921, Seite 1170)

Morphium bei einer Nierenkolik heute zu geben, würde sicherlich so manchen Drogenabhängigen produzieren oder Abhängige würden auf diesem Wege versuchen an Morphium zu kommen. Diese Vorgehensweise ist heute kaum mehr vorstellbar.

Auch wurden den Kuren 1930 noch eine große Bedeutung zugemessen:

„Blutzirkulationsanomalien können durch richtige Auswahl des Kurortes gebessert werden, für Rheumatiker, Nierenkranke vermag die Versetzung in ein anderes Klima lebensrettend zu wirken. Rekonvaleszenten jeder Art können durch eine zweckmäßige klimatische Kur sichere, schneller und leichter die letzten Spuren der Erkrankung überwinden und die verlorenen Kräfte ersetzen;“

(Kann, Dr. med. M., Der Arzt im Hause, 1930, Seite 13)

Noch 1931 wurde die Prognose der chronischen Nierenentzündung wie folgt beschrieben:

„Der Verlauf, der ein halbes bis ein Jahr dauert, ist meist ungünstig, doch kommt auch Heilung vor, zuweilen auch Übergang in die sich anschließende Schrumpfniere mit Krankheitsdauer von eineinhalb bis drei Jahren. Anfangs sind die Erscheinungen die gleichen, später reichlicher Harn, Abnahme des Eiweißgehaltes und der Menge der Zylinder, geringere Schwellungen. Der Tod tritt durch Herzschwäche oder Vergiftungserscheinungen ein.“

(Sendenholm, Dr. med. Martin, Mein Körper, 1931, Seite 373)

Hier zeigt sich, daß das Wissen über die Erkrankung schon extrem hoch war, jedoch immer noch keine ursächliche Therapie möglich war. Selbst über 30 Jahre später wird die Therapie noch folgendermaßen beschrieben:

„Der Aderlaß setzt die Größe der zirkulierenten Blutmenge herab und vermindert die bei Nephritiden in vermehrtem Maße vom Blut an den Intermediärraum abgegebenen Flüssigkeitsmengen. Durch eine Lumbalpunktion werden die Venen wieder frei, das im Schädelinneren angestaute Blut findet vermehrten Abfluß. Bei Fällen mit erhöhtem Blutdruck und kardialer Insffizienz läßt nach einem Aderlaß die venöse Stauung nach.

Die Therapie der urämischen Retention an sich, mit Azotämie und Acidose, geschieht im übrigen nach den Grundsätzen, wie sie bei akuter Nephritis üblich sind. Man kehrt gewissermaßen zur Therapie des akuten Stadiums zurück.

Die diätetische Einschränkung wird mit aller Schärfe durchgeführt, mit Gaben von Fruchtsäften, Kompotten, rohen Früchten, Zucker. Infusionen von isotonischer Kochsalzlösung sind immer von fraglichem Wert, weil man damit die Herzleistung gefährdet, jedenfalls sollten sie nur nach einem vorangehenden Aderlaß ausgeführt werden.“ (Frey, Walter, Suter, Friedrich, in Handbuch der Inneren Medizin, 1951, Seite 726 und 727)

Zur Prognose hieß es noch immer: „ In jüngerem Alter sind die Aussichten an sich ungünstig, die Progredienz des Nierenleidens schreitet rasch vorwärts. Das sind die Fälle mit nekrodisierender Arteriosklerose. Die Krankheitsdauer ist kurz, sie beträgt oft kaum 1 Jahr, nur selten mehr als 2 Jahre.“

(Frey, Walter, Suter, Friedrich, in Handbuch der Inneren Medizin, 1951, Seite 833)

Unter diesen gegebenen medizinischen Bedingungen lagen die Aufgaben der nephrologischen Pflege bis in die fünfziger Jahre in den folgenden Aufgabenfeldern:

  • die Ein- und Ausfuhr der Patienten aufzeichnen
  • sorgfältig die Diät kontrollieren
  • die Eliminierung von Stoffwechselendprodukten durch den Gastro-Intestinal-Trakt stimulieren
  • für die Nachtruhe der Patienten zu sorgen
  • Infektionen vermeiden
  • die Muskelaktivität der Patienten verringern um somit die Produktion von Stoffwechselendprodukten reduzieren
  • und es dem Patienten so angenehm als möglich zu machen.

„Zu diesem Zeitpunkt standen zur Behandlung der Patienten mit chronischen Nierenversagen nur Ruhe, Diät und Medikamente zur Verfügung.“ (Ballhorn, Jutta in Nephrologische Pflege 2000, Seite 5)

Liliane Juchli schrieb 1976 in Ihrem Lehr- und Lernbuch „Allgemeine und spezielle Krankenpflege 2.Auflage“ zur Pflege des Patienten mit Nierenerkrankungen unter der Rubrik Beachte:

„Die beste Therapie ist die Prophylaxe.

  • Langzeitpatienten, Katheterträger usw. sollen, wenn sie mobilisiert werden können, nicht nur mit dem Morgenrock bekleidet werden. Wir nehmen uns die Zeit, ihnen Hosen bzw. Schlüpfer und Strümpfe anzuziehen.
  • Diese Kleidungsstücke sollen häufig, wenn möglich täglich, gewechselt werden. Meistens bringen die Angehörigen bereitwillig genügend Wäschestücke zum Wechseln.
  • Bei der Intimtoilette gehen wir korrekt und sauber vor: Waschung von nach hinten, immer sauberes Wasser benutzen (nicht das für die ganze Körperpflege gebrauchte!). Wenn möglich Einwegwaschlappen benutzen. Statt Seife kann eine leicht desinfizierende Lösung ins Waschwasser gegeben werden.

Lokale Unterkühlung und mangelnde Sauberkeit sind vor allem bei Frauen mitverantwortlich für rezidivierende Harnwegsinfekte (kurze Harnröhre)!“

(Juchli, Liliane, 1976 2. Auflage, Seite 683)

Hier sieht man die enge Verflechtung von Medizin und Pflege. Da die Medizin noch keine adäquate Therapie für die Patienten mit Nierenversagen hatte, konnte die Pflege auch nur symptomatisch sein. Jedoch war in dieser Zeit der Patient mit seiner Niereneinschränkung der Mittelpunkt der Pflege. Erstaunlich ist nach meiner Meinung, daß auch die Pflege schon über einen großen Wissensstand zu dieser Zeit verfügte. Allein der Bereich der Diät, der zu späteren Zeiten (mit auftauchen der apperativen Behandlung) vernachlässigt wurde, ermöglichte den damaligen Patienten ein begrenztes Überleben. So sehe ich ein Betätigungsfeld der zukünftigen nephrologischen Pflege in einem Bewahren dieses Wissens auf der einen Seite und in der wissenschaftlichen Überprüfung der damaligen Maßnahmen auf der anderen Seite. So kann durch einen kritischer Blick zurück, die nephrologische Pflege fundiert weiter professionalisiert werden.

2. Die Zeit der Dialysebehandlung

2.1 Geschichtliche Entwicklung der Dialyse

Der folgende Abschnitt soll einen Einblick in die Entwicklung der Dialyse geben. Es bestehen durchaus Zeitüberschneidungen mit dem vorigen Kapitel. Dies begründet sich darin, daß eine flächendeckende Einführung der Nierenersatztherapie in Deutschland Jahrzehnte benötigte. So ist es verständlich, daß im Inneren Lehrbuch meiner Krankenpflegeausbildung es noch 1977 hieß:

„Andererseits ermöglicht die chronische Hämodialyse nicht nur eine Lebensverlängerung, sondern für viele Kranke auch ein „lebenswertes“ Dasein. Die Anzahl der Dialysezentren ist überall zu gering (in der Bundesrepublik sterben jährlich etwa 1500 Menschen an chronischer Urämie). Am besten geeignet zur chronischen Hämodialyse sind psychisch ausgeglichene, kooperative, intelligente Erwachsene unter 45 Jahren, bei denen noch keine schwerwiegenden Komplikationen ihres renalen Hochdrucks bestehen. Viele dieser Kranken können mittels dreier Dialysen pro Woche über mehrere Jahre am Leben erhalten und u.U. sogar wieder berufstätig werden. Die „Auswahl“ der Patienten, die chronisch dialysiert werden sollen, stellt ein ärztlich und menschlich kaum lösbares Problem dar.“

(Geisler, Linus, in Innere Medizin II, 1977 Seite 73)

Hatte man endlich eine Therapie für die Nierenkranken mit der ein „technisches Überleben“ möglich war, so scheiterte es an fehlenden Ressourcen. So kann ich aus meiner eigenen Berufserfahrung berichten, daß 1980 noch kein Diabetiker mit Nierenversagen bei uns dialysiert wurde. Ich kann mich noch an die Diskussionen unter uns Pflegekräften erinnern, als der erste junge Diabetiker dialysiert wurde. Heutzutage liegt die Zahl der Diabetiker an der Dialyse bei 24%.

(Angabe aus Frei, U., Schober-Halstenberg, H.-J., Nierenersatztherapie in Deutschland, 2000 Seite 42)

Alle diese Patienten wären vor nicht einmal 30 Jahren von der Nierenersatztherapie ausgeschlossen gewesen.

Jetzt aber die Angaben zur geschichtlichen Entwicklung – ein zeitlicher Überblick

1854 Erstmalige Verwendung der Bezeichnung „Dialyse“ von Thomas Graham, Chemieprofessor in Glasgow. Er weist mit einer harndurchlässigen (semipermeablen) Membran die Diffusion von Stoffen verschiedener Konzentrationen nach.

1913 Jahn Jakob Abel und seine Mitarbeiter Rowntree und Turner führen in Baltimore den ersten Dialyseversuch am lebenden Tier durch. Sie verwenden bereits Hirudin, eine aus Blutegeln gewonnene Substanz, um die Blutgerinnung zu verzögern. Als Dialysator wird eine Apparatur 16 Kollodiumröhrchen von 40 cm Länge verwendet, die von Blut durchströmt werden und außen von einer Spüllösung umgeben sind.

Ursprünglich war das Gerät zur Anreicherung und Untersuchung bestimmter Stoffwechselprodukte entwickelt worden. Die Verwendung bei der Urämie wurde erwogen, nachdem man die Eliminierung exogener Gifte wie Natriumsalizylat aus dem System nachweisen konnte.

1914 Von Hess und Mc Guigan beobachten bei Versuchen mit der Abel-Apparatur, daß die Effektivität der Dialyse durch Bewegung des Dialysats gesteigert werden kann.

Nachdem die Blutgerinnung unter Kontrolle ist, stellt die Membran das nächste Problem dar: Die Kollodiumschläuche fallen in ihrer Stärke sehr ungleichmäßig aus, sind spröde und brüchig. Nach Versuchen mit Schilfschläuchen, Tierperitoneum und Papier, die fehlschlugen, kommt Georg Haas erneut auf das Kollodium zurück. Sein Dialyseapperat hat den Vorteil, daß sich die 1,2 m langen Kollodiumschläuche paarweise in einzelnen Kabinen befinden, so daß bei Brüchen einzelner Schläuche leicht eine Kabine ohne großen Blutverlust ausgewechselt werden kann.

1920 Versuche Loves in Chicago mit der Verwendung von Hühnerdärmen als Dialysemembran und van der Heydes und Morses mit Fischblasen. Heinrich Necheles aus Hamburg experimentiert etwa zur gleichen Zeit mit chemisch veränderten Kälberperitoneum.

1924 Georg Haas in Gießen führt mit seiner Dialyseapparatur und einem verbesserten Hirudinpräperat die erste Dialysebehandlung am Menschen durch. Die Behandlung dauert 15 Minuten und wird ohne Komplikationen beendet.
1926 Lim in Peking, Necheles in Hamburg und Haas in Gießen setzen erstmals Heparin bei Dialyseversuchen mit Hunden ein. Haas setzt Heparin später auch beim Menschen ein, da Hirudin für eine längere Behandlungsdauer zu toxisch und in seiner Wirksamkeit zu unverlässig ist. Heparin erweist sich als gut verträglich, seine Wirkung als konstant und gut kontrollierbar. Es erlaubt damit ausreichende Dialysezeiten.Georg Haas schaltet als erster eine Blutpumpe zwischen Arterie und Dialysator. Der Gefäßanschluß wird von einem Chirurgen angelegt, der eine Glaskanüle in eine Vene und eine Arterie einlegt, an die ein Blutschlauchsystem angeschlossen wird. Dem Patienten werden jeweils 400-500 ml Blut entnommen und nach Dialyse wieder transfundiert. Durch den Einsatz der Blutpumpe beobachtet man neben der Verbesserung der Dialyseleistung aufgrund der Druckverhätnisse eine Abnahme des Volumens, dessen Ursache wir heute als Ultrafiltration kennen.

1938 William Thalhimer aus New York benutzt erstmals Cellophan als Dialysemembran. Er bereitet damit den Weg für die Entwicklung leistungsfähiger Dialysatoren.

1943 Willem Johann Kolff und Hendrik Berk stellen in Kampen/Niederlande einen für eine routinemäßige Anwendung ausreichend sicheren und wirksamen Dialysator vor, die „rotierende Trommelniere“. Angeregt durch diese Erfolge folgen bald andere Konstuktionen nach.

1947 Alwall aus Schweden sowie Murray und Mitarbeiter aus Kanada beschreiben Dialysegeräte, bei denen der Cellophanschlauch um einen stehenden Zylinder gewickelt wird. Ein ähnliches Gerät stellt in Deutschland Curt Möller aus Hamburg vor, Malinow und Korzon aus den USA bauen ein Gerät mit 20 parallelen Schlauchstücken.

1948 Skeggs und Leonards in Amerika bauen den ersten Plattendialysator, dessen System später in dem modifizierten Kiildialysator große Verbreitung finden wird.

1950 Curt Möller in Hamburg nimmt mit seinem Dialysator die erste klinisch effektive Dialyse vor. Als wichtig für die weitere Entwicklung erweist sich außerdem die Idee von Garrelts, den blutführenden Schlauch mit einem Maschendraht aufzuwickeln und die Spüllösung mit einer Pumpe durch die so entstandene Spule zu pressen.

1956 Die Arbeitsgruppe um Kolff entwickelt in Anlehnung an ein ähnliches Modell von Inouye und Engelberg die „Zwillingsspulenniere“, deren Dialysierspulen zum Einmalgebrauch für eine Massenproduktion geeignet waren. Durch dieses einfach zu handhabende Gerät wird nun die weltweite Verbreitung der Hämodialyse wesentlich beschleunigt.

1960 Vorstellung des Kiil-Plattendialysators, benannt nach dem Norweger Frederik Kiil. Das Gerät wird kontinuierlich weiterentwickelt und 1968 als Einmalplattendialysator nach Allwall angeboten.

Das Problem der adäquaten Gefäßzugänge an Patienten ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst. Am 9. März 1960 legen Scribner und Mitarbeiter der ersten Shunt an – den sogenannten Scribner-Shunt. Dabei wird am Unterarm oder auch am Unterschenkel in eine Arterie und eine Vene ein Teflon-Adapter eingelegt und über der Haut mit einem Silicon-Zwischenstück kurzgeschlossen. In den 60er und Anfang der 70er Jahre benutzt man den Scribner-Shunt sowohl für Akutdialysen als auch für die chronische Hämodialyse. Problematisch sind die häufigen Thrombosierungen und die Infektionen an der Hautdurchtrittsstelle. Später wird der Scribner-Shunt für die Akutbehandlung durch die Katheterisierung der großen Gefäße verdrängt.

1964 Mion erprobt Acetat als Puffersubstanz im Dialysat. In Athen führt Dr. Yatzides mit Aktivkohle die erste Hämoperfusion durch.

1966 Brescia und Cimino, zwei Italo – Amerikaner, entwickeln eine subkutane AV-Fistel, die bis heute weltweit als Gefäßzugang für die chronische Hämodialyse eingesetzt wird.

Entwicklung der Hämofiltration durch Quellhorst und Mitarbeiter in Gießen.

1967 Durch den Einsatz von Cuprophan als Dialysemembran wird die Effektivität der Dialysatoren weiter verbessert. Cuprophanmembranen werden auch heute noch verwendet, werden jedoch mehr und mehr von synthetisch hergestellten Membranen wie Polysulfon, Polyacrylnitril ect. verdrängt.

1974 Einsatz der Hämofiltration als Nierenersatztherapie statt der Hämodialyse.

1978 Einführung der Hämodiafiltration durch Prof. Leber und Mitarbeiter in Giessen – das Zeitalter der Kurzzeitdialysen beginnt.“

(Nowack R., Birck R., Dialyse und Nephrologie für Pflegeberufe, 1999 Seite 3-5)

Hier ist die rasante Entwicklung der Dialysetechnik im Zeitraffer dargestellt. Wie zu lesen ist, gab es viele Entwicklungen die in Deutschland ihren Ursprung hatten. Doch wie entwickelte sich die Pflege? Dazu mehr im nächsten Kapitel.

2.2 Entwicklung der nephrologischen Pflege

Vor der Zeit der Dialysebehandlung wurde die nephrologische Pflege wie folgt beschrieben:

„Spezielle pflegerische Aufgaben bei Patienten mit Nierenversagen wurden erstmals 1915 von Gillespie beschrieben. Zum damaligen Zeitpunkt, als es noch keine Nierenersatzverfahren gab, bestanden diese Tätigkeiten beispielsweise darin, den urämischen Patienten ruhigzustellen und die Muskelaktivität zu reduzieren. Man stellte sich vor, dadurch die Produktion von Stoffwechselendprodukten möglichst gering zu halten und die urämische Symptomatik einzudämmen. Außerdem kontrollierte man sorgfältig die Ein- und Ausfuhr und achtete darauf, daß die damals in dieser Situation durchgeführte extrem eiweißarme Ernährung eingehalten wurde, und kontrollierte die Verdauungstätigkeit.

(Nowack R., Birck R., Dialyse und Nephrologie für Pflegeberufe, 1999 Seite 5)

Zu diesem Zeitpunkt stand für die Pflegekräfte sicherlich der Patient im Mittelpunkt ihrer Bemühungen. Mit der maschinellen Nierenersatztherapie wandelte sich der Blickwinkel. Eine gute Pflegekraft zeichnete sich durch ein Beherrschen der Geräte aus. Gute technische Fertigkeiten waren gefragt. Der Patient rückte ein Stück in den Hintergrund.

So steht in der „Bibel“ für nephrologische Pflegekräfte dieser Zeit, dem sogenannten „kleinen Franz“, unter dem Bereich:

Tätigkeitsbereich des Pflegepersonals in der Dialyse

  • „technische Vor- und Nachbereitung des Dialysegerätes
  • routinemäßige Kontrolle des Patienten
  • Ausführung der Punktion der AV-Fistel und Versorgung nach Beendigung der Dialyse
  • Durchführung von Infusionen und Injektionen während der Dialysebehandlung aufgrund ärztlicher Anordnung
  • Vornahme technischer Routinekorrekturen
  • Führung von Einzeldialyse- und Langzeitprotokollen mit Eintragung von Untersuchungsergebnissen usw.
  • Organisatorische Planung der Dialysebehandlung, Diensteinteilung, Bestellungen, Kommunikation mit Transplantationszentren, Urlaubsdialysezentren usw.
  • Hygienische Maßnahmen, Reinigungsarbeiten, Müllentsorgung“

(Franz, Hans E., Dialyse für Krankenpflegeberufe, 1992, Seite 23)

Von den hier genannten Tätigkeiten sind die meisten technischer Natur. Begriffe wie Pflegebedürftigkeit, Bedürfnisse des Patienten fehlen gänzlich. In dieser Zeit war eine „gute Dialyseschwester“ diejenige, die Shuntpunktion und Gerätetechnik beherrschte.

Erst in jüngere Zeit begann man in einigen Ländern, eine Beschreibung des Berufsbildes der nephrologischen Pflegekraft zu erstellen, da die Tätigkeiten zunehmend komplexer und spezielles Wissen, Fähigkeiten und eine spezielle Berufseinstellung erwartet wurden. Das Berufsbild der nephrologischen Pflegekraft wurde in den USA, in Kanada und Großbritannien festgelegt und basierte auf dem Kerngedanken, den individuellen Bedürfnissen des chronisch nierenkranken Patienten gerecht zu werden. Daraus ergaben sich verschiedene Aufgabengebiete, die alle deutlich machten, daß die Pflegekraft bei den verschiedenen Patientengruppen in der Nephrologie eine Reihe verschiedener Rollen und Aufgaben übernehmen und viele Faktoren bedenken mußte.

So wird die nephrologische Pflegekraft folgendermaßen beschrieben:

„Die nephrologische Pflegekraft besitzt Erfahrung in der nephrologischen Pflegepraxis, betreut Patienten mit akuten oder chronischen Nierenerkrankungen mit verschiedenen Formen der Nierenersatztherapie. Das Fachwissen in der nephrologischen Pflege und somit die Qualifikation als nephrologische Pflegekraft werden durch die praktische Erfahrung und durch die theoretische Weiterbildung erworben, wie sie im EDTNA/ERCA Kernlehrplan (1994) und/oder von nationalen/örtlichen Experten definiert ist.“

(Van Waeleghem, J.-P., Odenwälder, W., Europäische Standards für die nephrologische Pflegepraxis, 1995, Seite 19)

Dies ist erst einmal eine allgemeine Aussage, wie die Pflegekraft ihr Wissen erwerben kann. Konkreter ist schon folgende Aussage:

„Die nephrologische Pflegekraft unterstützt den Patienten und seine Familie bei der psycho-sozialen Anpassung an das terminale Nierenversagen. Sie maximiert die Selbstbehandlungsfähigkeiten des Patienten und motiviert ihn und seine Familie dazu, in Übereinstimmung mit seinem Behandlungsprogramm und innerhalb seines sozialen Umfelds und der Gesellschaft einen optimalen Grad an Wohlbefinden und Unabhängigkeit zu erreichen.“

(Van Waeleghem, J.-P., Odenwälder, W., Europäische Standards für die nephrologische Pflegepraxis, 1995, Seite 19)

Die Pflegekraft hat zum Patienten eher eine begleitende und unterstützende Funktion. Es wird deutlich, daß der Patient als Individuum in den Mittelpunkt der Sichtweise rückt.

Noch konkretere Aussagen bietet die Ausgabe „Grundlagen der nephrologischen Pflege“, die als Buch bisher leider noch nicht erschienen sind. Es kann als Handbuch über den deutschen Zweig der EDTNA/ERCA, Josefa Fenselau, Pfarrer Küpper Str. 20, 53347 Alfter, bezogen werden. In diesem Handbuch ist ein Vortrag von Marie Luise Atkin, Josefa Fenselau, Alois Gorke und Dieter Rüger anläßlich eines EDTNA/ERCA Seminares in Hamburg im April 1996 abgedruckt, den ich hier, obwohl noch nicht im Buchhandel erschienen, wegen der deutlichen Gedanken zum Pflegebild zitieren möchte:

„1. Jeder Patient ist ein Individuum, das das Recht hat, sein Leben voll auszuschöpfen und

informiert zu sein über die mögliche Wahl der Behandlungsverfahren.

  • Ziel der Krankenpflegekräfte ist es, die Würde des Patienten in jedem Stadium der Gesundheit und Krankheit zu respektieren.
  • Jeder Patient mit Nierenfunktionsstörung hat das Recht, von qualifizierten Pflegekräften, Experten auf dem Gebiet der Nephrologie, behandelt zu werden. Das Ziel der Pflege ist es, die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Patienten wiederherzustellen und zu erhalten.
  • Zwischen dem Patienten, seiner Familie und der Krankenpflegekraft soll sich eine partnerschaftliche Beziehung in der Pflege entwickeln, um die Unabhängigkeit, die Selbstbehandlung und die Rehabilitation des Patienten zu fördern.“

(Marie Luise Atkin, Josefa Fenselau, Alois Gorke und Dieter Rüger, Grundlagen der nephrologischen Pflege, 1996, Seite 9)

Dies zeigt, daß das veränderte Bild des Patienten auch in Deutschland Einzug gehalten hat. Hier wird der Patient als Mittelpunkt eingefordert.

Gefordert sind heute neben der fachkundigen Durchführung grund- und behandlungspflegerischer Maßnahmen auch Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit chronisch nierenkranken Menschen sowie medizinische, technische, pädagogische und organisatorische Kenntnisse und Schlüsselqualifikationen im Bereich der Fach- und Sozialkompetenz.

Die Stellenbeschreibung der nephrologischen Fachpflegekraft für den Bereich der Hämodialyse wurde vom deutschen Zweig der EDTNA/ERCA und der AfnP im Detail veröffentlicht. In Anlehnung daran kann man das Berufsbild in die folgenden Felder unterteilen:

  • Vorbereitung des Patienten auf die Behandlung mit Nierenersatztherapie
  • Durchführung sowie Koordination und Organisation der Behandlung
  • Behebung von Komplikationen
  • Auswertung der Krankenbeobachtung
  • Auswertung von Routinebefunden
  • Pädagogische Aufgaben
  • Instruktion und Beratung
  • Information, psychosoziale Betreuung
  • Qualitätskontrolle, Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement

Hier ist nun die Verbindung von sowohl technischen, wie auch sozialen Fähigkeiten formuliert. Die Zeit als technische Fertigkeiten ausreichten, gehören der Vergangenheit an.

2.3 Entwicklung der Stellenberechnung

Wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben, gab es in der nephrologischen Pflege das Zeitalter vor und nach der Nierenersatztherapie. Angaben zu einem quantitativen Personalbedarf vor der Nierenersatztherapie konnten von mir nicht gefunden werden. Zu dieser Ära kann in dieser Arbeit keine Aussage gemacht werden.

Der Personalbedarf in der Zeit der Nierenersatztherapie spiegelt, die im vorigen Kapitel beschriebene Wertigkeit der Tätigkeiten, wieder. So wurde der Personalbedarf zuerst nur anhand der Anzahl der Dialysebehandlungen ermittelt. Es gab und gibt in Deutschland keinen allgemein gültigen und gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüsel für Pflegekräfte auf Dialyseabteilungen. Jedoch hat sich die Arbeitsgemeinschaft für klinische Nephrologie (Vertretung der in den Kliniken arbeitenden Nephrologen) im Dialysestandard 1985 zur Personalberechnung geäußert.

„ – 1 Pflegekraft für 40 ambulante Zentrumsdialysen pro Monat

  • 1 Pflegekraft für 20 stationäre bzw. Risikozentrumsdialysen pro Monat
  • 1 Hilfskraft für 100 Zentrumsdialysen pro Monat
  • 1 Techniker für 500 Zentrumsdialysen pro Monat
  • 1 Pflegekraft für 70 Limited-Care-Dialysen pro Monat
  • 1 Hilfskraft für 300 Limited-Care-Dialysen pro Monat
  • 1 Pflegekraft für 25 Trainingsdialysen pro Monat
  • 1 Pflegekraft für die Überwachung von 600 Heimdialysen pro Monat
  • 1 Techniker für 300 Heimdialysen pro Monat
  • 1 Pflegekraft für 20 Dialysen bei Intensivpflegepatienten pro Monat“

(Franz, Hans E., Dialyse für Krankenpflegeberufe, 1992, Seite 23)

Mit diesem Personalschlüssel war es schnell möglich, sich einen Überblick zum quantitativen Personalbedarf zu schaffen. Er differenzierte den Personalbedarf nach der Behandlungsform. So ist es durchaus nachvollziehbar, daß der Aufwand für eine Intensivdialyse höher als für eine ambulante Dialyse ist. Allerdings berücksichtigt dieser Schlüssel den individuellen pflegerischen Aufwand für einen Patienten, egal für welche Dialysebehandlung, in keinster Weise. Meiner Meinung nach ist dies darauf zurückzuführen, daß dieser Personalschlüssel von einer berufsfremden Gruppe (Arbeitsgemeinschaft für klinische Nephrologie) erstellt wurde. Jedoch waren die nephrologischen Pflegekräfte in dieser Zeit entweder nicht in der Lage oder sahen nicht die Notwendigkeit, einen eigenen Vorschlag zur Personalberechnung zu erstellen.

So dauerte es noch eine ganze Zeit, bis sich die Pflege in der Nephrologie eigenständig Gedanken zur Personalberechnung machte. Unter Finanzierung von:

„- Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie

  • Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassenenr Ärzte
  • Das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation-KfH-einer der größten Dialyseanbieter in Deutschland mit mehr als 150 Dialysezentren
  • Die Patienten-Heimversorgung-PHV-ein weiterer großer Dialyseanbieter mit mehr als 50 Dialysezentren in Deutschland“

(Balhorn, Jutta, Patientenkategorisierung zur Berechnung des Patienten-Personalschlüssels, 1998, Seite 18)

Hier kam ein Projekt mit Pflegekräften zustande, daß sich unter Sichtweise des Pflegeaufwandes, mit der Personalberechnung neue Gedanken machte. Als Grundlage der Berechnung wurde die PPR (Pflegepersonalrechnung) mit ihrem Modell der A/S Eingruppierung genommen. Die A/S Eingruppierung wurde auf die Tätigkeiten für die Nierenersatztherapie angepaßt, da die Tätigkeiten nicht mit der Pflege auf einer anderen Abteilung zu vergleichen ist. „Die Betreuung des Patienten während der Dialyse ist speziell ausgebildetem Pflegepersonal vorbehalten.“

(Maletzki, Walter, Stegmayer, Angelika, Klinikleitfaden Pflege, 1998, Seite 455)

Beispielhaft für die A-Eingruppierung möchte ich hier folgende Beispiele geben:

„Leistungsbereich: Bewegung, Ernährung, Körperpflege

Hilfe bei:

  • Wiegen
  • Umkleiden
  • Lagern Teillagern (nicht Shuntarm)
  • Förderung Gro- und Feinmotorik
  • Krankengymnastik (von Pflegekräften)
  • Überwachen der Nahrungsaufnahme
  • Essen verabreichen
  • Essen verabreichen per Sonde
  • Allgemeine Haut- und Körperpflege

Aufwand/Zeit

Keine Hilfe notwendig oder nur in einem Punkt A 1

Hilfe in 2-3 Punkten erforderlich A 2

Hilfe in 4 oder mehr Punkten erforderlich A 3“

(Balhorn, Jutta, Patientenkategorisierung zur Berechnung des Patienten-Personalschlüssels, 1998, Seite 16)

Für die S-Eingruppierung möchte ich ergänzen:

„Leistungsbereich: Punktion/Anschluß/Abschluß

Leistung:
Problemlose Punktion / An- Abschluß mit Vor- / Nachbereitung ohne Komplikationen

An- / Abschluß über Katheter / Kunststoff – Prothese mit Komplikationen bei

  • Punktion
  • Anschluß
  • Abschluß
  • Abdrücken
  • Aufwand / Zeit

Zeitbedarf unter 30 Minuten S 1

Hilfe bei mind. einem Punkt und Zeitbedarf 30-45 Minuten S 2

Hilfe bei mind. einem Punkt und Zeitbedarf = oder über 45 Minuten S 3“

(Balhorn, Jutta, Patientenkategorisierung zur Berechnung des Patienten-Personalschlüssels, 1998, Seite 17)

Hiermit steht ein Leistungskatalog zur Verfügung, der erstmals den quantitativen Personalbedarf anhand des individuellen Pflegeaufwandes für die Patienten ermittelt. So wird aus den ermittelten Eingruppierungen ein Minutenkatalog angegeben:

„Direkte Patientenbetreuung

Kategorie S 1 S 2 S 3
A 1 51 75 126
A 2 63 106 156
A 3 78 140 204

Indirekte Patientenbetreuung:

Ambulante Zentren 40-60 Minuten

Krankenhauszentren 120-150 Minuten“

(Balhorn, Jutta, Patientenkategorisierung zur Berechnung des Patienten-Personalschlüssels, 1998, Seite 18)

Die hier genannten Minutenwerte beziehen sich auf die Erwachsenenhämodialyse. Analoge Werte wurden noch für die Kinderdialyse und die Peritonealdialyse ermittelt.

Die schnelle Verbreitung dieses Instruments zeigt sich – Zitat:

„Derzeitig wird die Kategorisierung als Pilotprojekt in ungefähr 80 Dialyseabteilungen in Deutschland durchgeführt.“

(Balhorn, Jutta, Patientenkategorisierung zur Berechnung des Patienten – Personalschlüssels, 1998, Seite 19)

Des weiteren wird in dem momentanen neuesten Lehrbuch für Pflegekräfte in der Nephrologie zum Quantitativen Personalbedarf schon auf diese Patientenkategorisierung Bezug genommen:

„Bei der Bemessung des Personalbedarfs sollten geltende Personalschlüssel und der Pflegebedarf auf der Grundlage der Patientenkategorisierung zugrunde gelegt werden. Die derzeit gültigen Schlüsselzahlen sind in einschlägigen Veröffentlichungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für klinische Nephrologie wiedergegeben.“

(Breuch, Gerd, Fachpflege Nephrologie und Dialyse, 2000, Seite 355)

Wie eingangs des Kapitels beschrieben, spiegelt sich das Pflegeverständnis auch im Bereich der Personalberechnung deutlich wieder.

Ein weitere Bereich ist die Fort- und Weiterbildung für nephrologische Pflegekräfte, daß in dem folgenden Kapitel beleuchtet wird.

2.4 Entwicklung der Fort- und Weiterbildung

Das Pflegeverständnis der nephrologischen Pflegekräfte spiegelt sich auch in den angebotenen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Bevor die Deutsche Krankenhausgesellschaft 1995 die Prüfungs- und Weiterbildungsordnung für den Bereich Nephrologie verabschiedet hat, gab es in Deutschland zwei große jährliche Veranstaltungen für nephrologische Pflegekräfte. Zum einen die Hamburger Fortbildungsseminare im Haus Rissen, zum anderen die Dialysefachtagungen in Ulm. Sie beschäftigten sich hauptsächlich mit verfahrenstechnischen Aspekten der Dialyse und medizinischen Neuerungen in der Nephrologie. Beispielhaft für diese Zeit möchte ich die Themen der Ulmer Dialysefachtagung aus dem Jahre 1988 anfügen:

„ Neuere Aspekte des gestörten Vitamin D – Stoffwechsels in der Pathogenese der renalen Osteodystrophie

Probleme der chronischen Aluminiumbeladung – aktueller Stand der therapeutischen Möglichkeiten der intestinalen Phosphatbindung

ß 2 Mikroglobin – Amyloidose

Probleme der operativen Behandlung der Amyloidose, Diagnose und Therapie des Carpaltunnel – Syndroms

Die Anwendung von gentechnologisch hergestelltem Erythropoeitin bei Hämodialysepatienten

Weisungsgebundenheit des Krankenpflegepersonals bei ärztlichen und pflegerischen Anordnungen unter besonderer Berücksichtigung der Dialyse

Plasmaseperation: Durchführung und Indikation

Ernährung für Hämodialyse – und CAPD – Patienten

Dialysestreß und psychische Verarbeitungsweisen im Behandlungsumfeld

Neue Aspekte der Diagnose und Therapie des akuten Nierenversagens

Virusinfektionen durch Übertragung von Blut und Plasmaprodukten

Der urämische Diabetiker – Möglichkeiten der Behandlung (Dialyse und Transplantation) Round – Table – Gespräch

Urämie bei Diabetes mellitus

Dialyse – Therapie bei diabetischer Urämie

Transplantation bei Diabetes mellitus

Diabetes mellitus im Verfeld der Nierenersatztherapie

EDV in der Dialyse“

(Franz, Hans E., Dialyse 1988, 1988, Seite 5-6)

Dies zeigt sicherlich eine große Zahl interessanter Themen, jedoch mit einer klaren Gewichtung in Richtung Medizin. Wenn man noch dazu die Referentenliste einsieht, ist nur eine einzige Pflegekraft beim Thema Ernährung vertreten. Dies zeigt überdeutlich die Gewichtung von solchen Veranstaltungen. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich diese Themen der Pflegefachtagung nicht für wichtig erachte, aber neben einem grundlegend gutem medizinisch und technischem Fachwissen zeichnet eine gute nephrologische Pflegekraft auch ein dementsprechendes Pflegeverständnis aus. Dies war aber zu dieser Zeit (noch) nicht so ausgebildet.

Dies änderte sich erst in Deutschland durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Sie hat am 09.03.1995 in ihrer 182. Vorstandssitzung ein „Muster für eine landesrechtliche Ordnung der Weiterbildung und Prüfung zu Krankenschwestern, Krankenpflegern, Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpflegern in der Nephrologie“ als Empfehlung verabschiedet. Sie hat zugleich beschlossen, daß – solange in einem Bundesland eine landesrechtliche Regelung der Weiterbildung im Sinne der Empfehlung nicht besteht – die DKG die Anerkennung der Weiterbildungsstätten nach Maßgabe der Empfehlung vornimmt. Das Inkrafttreten der Empfehlung und der Beginn der Übergangsfrist in § 23 der Empfehlung wurden auf den 1.Mai 1995 festgesetzt.

Der praktische Unterricht umfaßt, nach DKG-Richtlinie, 440 Stunden Unterricht. Diese sind ohne Stundenvorgabe auf folgende Bereiche zu verteilen:

  • „Unterweisung in der nephrologischen Grund- und Behandlungspflege, der Überwachung der Patienten und der Beurteilung der Überwachungsergebnisse;
  • Unterweisung in der Funktion, Bereitstellung, Bedienung und Anwendung von Überwachungsgeräten und anderen Geräten sowie in der Protokollführung;
  • Unterweisung in der Durchführung eines Behandlungsplanes und dessen Auswertung;
  • Unterweisung in der Assistenz bei therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen;
  • Unterweisung in der Einrichtung und Ausstattung von nephrologischen Abteilungen sowie in der Vorratshaltung;
  • Unterweisung in den Methoden der Diagnostik und Funktionsdiagnostik in der Nephrologie einschließlich der Unterweisung in der Funktion, Bereitstellung, Bedienung und Anwendung der erforderlichen Geräte und Instrumente;
  • Unterweisung in die spezielle Behandlung niereninsuffizienter Kinder und Jugendlicher;
  • Unterweisung in spezielle Behandlungsverfahren des akuten Nierenversagens;
  • Unterweisung in der Funktion, Bereitstellung, Bedienung und Anwendung von Überwachungs- und Behandlungsgeräten für spezielle Therapien;
  • Unterweisung in der Behandlung und Pflege nierentransplantierter Patienten;
  • Unterweisung in der Vorbereitung und Assistenz bei speziellen Eingriffen;
  • Unterweisung in der Dokumentation und Protokollführung;
  • Unterweisung in der Einrichtung und Ausstattung von Funktionsräumen sowie in der Vorratshaltung;
  • Unterweisung in die Anleitung, Beratung und Schulung von Patienten und deren Angehörigen;
  • Unterweisung in die Einsatzplanung und Anleitung von Mitarbeitern.“

(Kurtenbach, Golombek, Siebers, Krankenpflegegesetz, 1998, Seite 407)

Hier ist schon im praktischen Unterricht eine deutliche Verschiebung zugunsten der Pflege eingefordert. Natürlich werden die verfahrenstechnischen Aspekte nicht vernachlässigt.

Der theoretische Unterricht (280 Stunden) verteilt sich wie folgt:

Grundlagen der nephrologischen Pflege

  • Geschichte, Berufskunde (6 Std.)
  • Rechtliche Aspekte (6 Std.)
  • Ethische Aspekte (6 Std.)
  • Sozio-kulturelle Aspekte (6 Std.)
  • Ökonomische Aspekte (6 Std.)
  • Pflegeprozeß, Pflegemodelle, Methoden der Pflege (20 Std.)
  • Forschung (6 Std.)
  • Qualitätssicherung (6 Std.)
  • Der Lehr-Lern-Prozeß (8 Std.)

Chronische Niereninsuffizienz

  • Konservative Behandlung (20 Std.)
  • Prä-dialytische Phase (20 Std.)

Behandlungsarten der terminalen Niereninsuffizienz Insgesamt 80 Std.

Transplantation Insgesamt 20 Std.

Akutes Nierenversagen Insgesamt 10 Std.

Spezielle Therapien Insgesamt 10 Std.

Pädiatrische Nephrologie Insgesamt 10 Std.

Für Krankenpflegekräfte im Bereich der pädiatrischen Nephrologie ist statt dessen ein gesonderter Unterrichtsblock mit 40 Std. vorgesehen.

Psychologische Aspekte Gesamt 40 Std.“

(Kurtenbach, Golombek, Siebers, Krankenpflegegesetz, 1998, Seite 406-407)

Die praktischen Einsätze sehen folgendermaßen aus:

„Im Verlauf der Weiterbildung haben die Lehrgangsteilnehmer/-innen praktische Einsätze über einen Gesamtzeitraum von 2400 Stunden, aufgeteilt in mindestens vier der folgenden Bereiche, zu leisten:

  • Konservative Behandlung stationär
  • Konservative Behandlung ambulant (nephrologische Ambulanz) – obligatorisch
  • Abteilung für chronische Hämodialyse- oder Peritonealdialysebehandlung- obligatorisch
  • Trainingsabteilung für Hämo- oder Peritonealdialyse
  • Abteilung für akute Dialysebehandlung und Behandlung mit Spezialverfahren
  • Nierentransplantation
  • Pädiatrische Nephrologie“

(Kurtenbach, Golombek, Siebers, Krankenpflegegesetz, 1998, Seite 406)

Des weiteren hat das Land Hessen am 27. März 1998 im Gesetz- und Verordnungsblatt (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen, Sonderveröffentlichung 1998, Anlage 9)

die Weiterbildung zur Fachkrankenschwester/-pfleger oder Fachkinderkrankenschwester/-pfleger in der Nephrologie landesrechtlich für das Land Hessen verabschiedet.

Diese Weiterbildung stärkt ebenfalls den pflegerischen Teil dieser Weiterbildung.

Damit schließt sich ein Kreis. Mit der Möglichkeit des „technischen Überlebens“ für Nierenpatienten in Deutschland hat auch ein Wandel im Verständnis der Pflegekräfte sich vollzogen. Neben dem, auch heute noch wichtigen, guten Wissen der medizinischen und technischen Grundlagen, gewinnt die Pflege ihre ureigentlichen Tätigkeitsfelder dazu oder zurück. Worte wie Pflegeaufwand, Ganzheitlichkeit, Pflegeprozeß etc. werden nephrologischen Pflegekräften es ermöglichen, ihre Pflege patientenorientierter auszurichten. Ein Weg, den die nephrologischen Weiterbildungsstätten, wie auch gesetzlich gefordert, so gut wie möglich bereiten und begleiten sollten.

3. Zukünftige Entwicklungen

3.1. Entwicklung der Patienten- und Personalzahlen

Warum ist es wichtig, sich mit den Zahlen und voraussichtlichen Entwicklungen zu befassen? Da die finanziellen Mittel im Gesundheitswesen begrenzt sind, muß sich der Bereich der Nierenersatztherapie diesen Gegebenheiten stellen. Mit den vorhandenen Geldern müssen mehr Patienten dialysiert oder transplantiert werden. Ich verstehe dies als einen gesellschaftlichen Auftrag. Dieser Auftrag ist auch an die Pflege gerichtet. Von daher gehört ein solcher Aspekt auch in eine solche Abschlußarbeit. Des weiteren ist die Beobachtung der Entwicklung der Anzahl der Pflegekräfte für eine Weiterbildungsstätte für ihre eigenen Planungen sehr wichtig. An diesen Zahlen kann die eigene realistische Markteinschätzung geschehen. Denn auch die Weiterbildungsstätten müssen sich überlegen, ob sie marktgerecht ausbilden und wie groß der Ausbildungsmarkt für ihren Bereich überhaupt ist.

Konkret nun zu den Patientenzahlen:

„Zum Jahresende 1997 wurden 59.650 Patienten mit chronischer Nierenersatztherapie behandelt. Das entspricht einem Wert von 727 pro Million Einwohner. Hiervon befanden sich 14.575 (178 pro Mio. Einwohner) in Transplantationsnachsorge und 45.075 Patienten (549 pro Mio. Einwohner) in Dialysebehandlung.

Ende 1998 befanden sich von den insgesamt gemeldeten 62.657 Patienten (764 pro Mio. Einwohner) 14.684 Patientan (179 pro Mio. Einwohner) in Transplantationsnachsorge und 47.973 Patienten (585 pro Mio. Einwohner) in Dialysebehandlung.“

(Frei, U., Schober-Halstenberg, H.-J., Nierenersatztherapie in Deutschland, 2000, Seite 8)

Damit zeigt sich, daß die Patientenzahl eindeutig gestiegen ist. Mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen da:

– die Altersstruktur in Deutschland weiter steigt

– die Anzahl der Diabetiker ebenfalls steigt.

Von daher muß die Pflege in der Nephrologie mit mehr und schwerer pflegebedürftigen Patientenzahlen rechnen.

Wie hat sich in diesen beiden Jahren nun die Zahl der Beschäftigten entwickelt?

1997 1998
Fachpflegekräfte 3.323 3.702
Krankenpflege allg. 4.235 5.134
Arzt- oder Pflegehelfer/in 735 870
Andere Mitarbeiter/-innen 452 674

(Zahlen aus Frei, U., Schober-Halstenberg, H.-J., Nierenersatztherapie in Deutschland, 2000, Seite 8, Tabelle selber erstellt)

Hieraus läßt sich unschwer erkennen, daß auch die Anzahl der Beschäftigte deutlich gestiegen ist. Knapp 400 Fachpflegekräfte sind hinzu gekommen. Jedoch gibt es noch fast 900 Kollegen/innen ohne Fachweiterbildung. Somit stehen 5.134 potentielle Weiterbildungsteilnehmer bundesweit zur Weiterbildung an.

Dies zeigt, daß der „Markt“ Nephrologie weiterhin ein Wachstumsmarkt ist.

3.2. Verfahrenstechnische Aspekte

Aus den vielen Überlegungen zu den künftigen Entwicklungen auf dem Bereich der Dialyseverfahren, oder zum Teil Verbesserungen von vorhandenen Verfahren, möchte ich kurz auf einige Aspekte eingehen. Diese Aspekte wurden als Zusammenfassung des Kapitels:

Technische Neuerungen in der Hämodialyse aus

Franz, Hans Eduard, Hörl, Walter H., Blutreinigungsverfahren, 1997, Seiten 575 bis 578

Erarbeitet.

  • Erhaltung des zirkulierenden Blutvolumens. Damit soll ein vermeiden von Blutdruckabfällen bei der Dialysebehandlung möglich sein.
  • Feststellen einer Rezirkulation im Shuntbereich. Damit soll ein unbemerkter Abfall der Effektivität vermieden werden.
  • Quantifizierung der Dialyse mittels Harnstoffbestimmung im verbrauchten Dialysat. Damit soll es möglich sein die Effektivität jeder Einzelbehandlung zu berechnen. Die Vergütung durch die Krankenkassen könnte damit anhand der Qualität der Behandlung möglich sein. Nach dem Motto „gute Behandlung wird gut vergütet“.
  • Tägliche Heimhämodialyse. Patienten könnten in Programmen trainiert werden sich täglich zu Hause kurz zu dialysieren. Insbesondere ein interessanter Aspekt für berufstätige, junge Patienten.

Dies sind nur einige Aspekte, wie sich die Nierenersatztherapie entwickeln könnte. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Einschätzung richtig war.

3.3 Akkreditierung von nephrologischen Weiterbildungsstätten

In diesem Kapitel möchte ich nun ein Modellprojekt, das der Akkreditierung von nephrologischen Weiterbildungsstätten in Europa vorstellen. Dazu hat die EDTNA/ERCA 1997 ein Pilotprojekt gestartet. Hintergrund ist, daß die nephrologischen Pflegekräfte europaweit ein gleiches Weiterbildungsangebot erhalten. So daß es möglich wird, eine z.B. in Deutschland erworbene nephrologische Anerkennung, auch im europäischen Ausland anerkannt zu bekommen. Der Weg dorthin ist sicherlich noch weit und wird noch einige Zeit beanspruchen.

In NRW unterliegen die nephrologischen Weiterbildungsstätten der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Sie ist die Institution, die die Zulassung und Kontrolle der nephrologischen Weiterbildungsstätten inne hat. Bei dem Antrag zur Zulassung einer nephrologischen Weiterbildungsstätte sind bestimmte Kriterien zu erfüllen. Dazu zählt unter anderem:

  • Qualifizierung der pflegerischen Leitung
  • Qualifizierung der ärztlichen Leitung
  • Qualifizierung der Dozenten
  • Mindestens 6000 Dialysebehandlungen/Jahr ggf. im Verbund
  • Mindestens 4 der geforderten Einsatzbereiche müssen vorhanden sein
  • Ausreichende Anzahl an Mentoren/Praxisanleitern in den Abteilungen

Dies sind nur einige Punkte, die eingefordert werden. Sie beziehen sich, auf die sicherlich auch wichtige Strukturqualität einer Weiterbildungsstätte.

Der Ansatz der Akkreditierung durch die EDTNA/ERCA geht einen anderen Weg. Dort werden, neben der Strukturqualität die Prozesse innerhalb der Weiterbildung hinterfragt. Da der Akkreditierungsbogen der EDTNA/ERCA noch nicht veröffentlicht ist, ist er als Anlage dieser Arbeit angefügt. Da er europaweit gilt, ist er in englischer Sprache verfasst. Innerhalb dieses Kapitels benutze ich die Übersetzung, die in unserer Weiterbildungsstätte erstellt wurde. Zur Orientierung werden die gleichen Gliederungspunkte benutzt.

Die Anerkennung als EDTNA/ERCA akkreditierte Weiterbildungsstätte wird für

  • 1 Jahr erteilt, wenn zwischen 75 und 90% der Kriterien erfüllt werden
  • 3 Jahre erteilt, wenn über 90% der Kriterien erfüllt werden

Dies zeigt nochmals den prozeßhaften Charakter dieser Akkreditierung.

Es gibt 7 größere in sich unterteilte Bereiche, die in der Verantwortlichkeit des Kurs-Managements liegen. Dies sind

  • Qualitätspolitik
  • Qualitätskriterien
  • Verantwortung für Qualität
  • Überprüfung der Führung und des Managements
  • Personelle Ressourcen
  • Interne Qualitäts-Audits
  • Qualitätskriterien und –merkmale

Ich werde jeweils einen übersetzten Bereich vorstellen und eine Stellungnahme des Autors wird am Ende eines jeden Kapitels erfolgen.

  • Qualitätspolitik
    • Besitzt die Institution, die den Kurs federführend leitet, eine Leitlinie zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung?

Falls ja, geben Sie bitte an, welche der nachfolgenden Elemente in der Leitlinie enthalten sind:

  • eine schriftlich niedergelegte Formulierung des Gesamtkonzepts und der grundlegenden Ziele
  • Leitlinien zum Management des Kurses
  • Leitlinien zur verwaltungstechnischen Führung des Kurses
  • Leitlinien zur Prüfungsdurchführung
  • Vorgehen bei der Führung der Kursunterlagen
  • Vorgehen bei der Formulierung und bei der fortlaufenden Überarbeitung dieser Leitlinien
  • Werden den Studenten die nachfolgenden Leitlinien zum Kursbeginn ausgehändigt:
    • die schrifliche Formulierung des Gesamtkonzepts und der grundlegenden Ziele
    • die Leitlinien zum Managements des Kurses
    • die Leitlinien zur verwaltungstechnischen Führung des Kurses
    • die Leitlinien zur Prüfung

Dieses sind Merkmale, die die Weiterbildungsstätte nachweisen soll. Der prozeßhafte Charakter wird an dem Punkt „fortlaufende Überarbeitung“ deutlich. Hier muß überlegt werden, mit welchen personellen Ressourcen, die Weiterbildungsstätte ein Überprüfen und Weiterentwickeln ihrer eigenen Leitlinien bewerkstelligt. Dies könnte z.B. ein Gremium innerhalb eines Weiterbildungsverbundes bewerkstelligen.

  • Qualitätskriterien
    • Gibt es ein multidisziplinäres Team, das den Kurs plant?

Wer ist dabei vertreten:

  • der Kursleiter?
  • Leitende Pflegekräfte?
  • Mentoren?
  • Kursteilnehmer?

Kann das Team auf das know – how der folgenden Spezialisten zugreifen:

  • Ernährungsberater/in?
  • Nephrologe?
  • Apotheker?
  • Sozialarbeiter?
  • Transplantationskoordinator?
  • Andere (ggf. spezifizieren)?
    • Hat der Kurs schriftlich festgelegte Lernziele?

Dies zeigt den Ansatz, daß der Kurs auf eine möglichst breite Wissensbasis gestellt werden soll. Insbesondere die Idee, Kursteilnehmer in die Planung mit zu integrieren, hat bei uns dazu geführt, eine Art Verbundbeirat zu gründen, dem auch die Kurssprecher angehören. Aus der praktischen Erfahrung liegen noch keine Ergebnisse vor, da dieses Projekt noch zu jung ist. Jedoch erwarten wir einige positive Impulse, für unsere weitere Arbeit und Ausrichtung der nephrologischen Kurse.

  • Verantwortung für Qualität
    • Arbeitet der Kursleiter innerhalb einer definierten Führungs- und Management-Struktur?
    • Existiert eine schriftliche Arbeitsplatzbeschreibung für den Kursleiter?
    • Wird die Leistung des Kursleiters regelmäßig überprüft?

Hier wird ein Prozeß eingefordert, der die Qualität regelmäßig überprüft.

  • Überprüfung der Führung und des Managements
    • Gibt es eine schriftlich niedergelegte Leitlinie für die Bewertung eines Kurses?
    • Wird der Kurs von Teilnehmern bewertet in Bezug auf:
  • Die Qualität des theoretischen Unterrichts?
  • Die Qualität des praktischen Unterrichts und das Ausmaß der Vermittlung praktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten während der klinischen Einsätze?
    • Mit wem wird diese Bewertung diskutiert?
  • Mit dem direkten Vorgesetzten des Kursleiters?
  • Mit der leitenden Pflegekraft?
    • Gibt es ein Verfahren, daß sicherstellt, daß Verbesserungsvorschläge der Kursteilnehmer auch wirklich umgesetzt werden?
    • Werden die klinischen Einsatzbereiche, in denen die Teilnehmer ihre praktische Erfahrungen sammeln, auf die Qualität des Lernumfeldes überprüft (Audits) ?
    • Orientiert man sich in den klinischen Einsatzbereichen am EDTNA/ERCA Standard für nephrologische Pflege, um die Qualität der Pflege sicherzustellen?

Der Bereich 4 bezieht die Kursteilnehmer stärker mit in die Gestaltung und Weiterentwicklung des Kurses. Ein Ansatz, der zur Zeit in unserer Weiterbildungsstätte, zwar in Planung, noch nicht praktisch umgesetzt ist. Hier kommt dem geplanten Beirat des Verbundes, unter Teilnahme der Kurssprecher, eine entscheidende Bedeutung zu.

Personelle und materielle Ressourcen

  • Personelle Ressourcen
    • Kursleitung und Lehrer:
      • Besitzt der Kursleiter eine pädagogische Qualifikation?
      • Gibt es ein Verfahren, daß sicherstellt, daß der Kursleiter sich fortlaufend auf dem aktuellen nephrologischen Wissensstand hält?
      • Werden die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer durch die Teilnehmer beurteilt?
      • Berücksichtigt die Auswahl der Lehrer den multidisziplinären Ansatz der Pflege?

5.2 Mentoren

  • Existiert ein Mentorensystem, daß die Anleitung der Kursteilnehmer während ihrer klinischen Einsätze sicherstellt?
  • Gibt es ein Verfahren, das sicherstellt, daß die Mentoren sich fortlaufend auf dem aktuellen nephrologischen Wissensstand halten?
  • Trifft sich der Kursleiter regelmäßig mit den entscheidenden Mentoren und Pflegekräften der jeweiligen Teilnehmer zum Meinungsaustausch und zur evt. Unterstützung
  • Gibt es ein Verfahren, das sicherstellt, daß die Literaturliste des Kurses regelmäßig auf dem neuesten Stand gehalten wird?

Hier ein Bereich, der eine enge Zusammenarbeit zwischen Weiterbildungsstätte und Mentoren hinterfragt. Dies ist auch meiner Meinung nach ein Bereich der von entscheidender Bedeutung, für einen qualitativ hochwertigen Abschluß eines Kurses ist. Wenn man sich vorstellt, daß ein Kursteilnehmer wenigstens 2.400 Stunden praktische Tätigkeit nachweisen muß, ist für diese Zeit eine gute Begleitung durch einen Mentor unverzichtbar. In unserer Weiterbildungsstätte findet deswegen alle 4 – 5 Monate eine Mentorensitzung statt.

  • Interne Qualitäts – Audits
    • Gibt es Meßgrößen, ob die Lernziele des Kurses insgesamt erreicht worden sind in Bezug auf:
  • die theoretischen Lernziele
  • die praktischen Lernziele

Hier können die Bereiche der Abschlußprüfungen als Aussage zu den Zielen angeführt werden. Sie geben sicherlich eine Aussage zu den Leistungen im praktischen und theoretischen Feldern. Wenn Sie mit den gestellten Lernzielen übereinstimmen, so kann über die Notengebung, als Meßgröße, eine Aussage zum Erreichen der Ziele gegeben werden.

Der letzte große Bereich der Akkreditierung befaßt sich mit dem Aufbau der theoretischen und praktischen Stunden. Sie werden ergänzt durch Fragen zur Qualität und Vielfalt der Weiterbildungsmaßnahme.

Qualitätskriterien und –merkmale

  • Qualitätskriterien
  • Wie lange dauert ein Kurs?
  • Müssen die Kursteilnehmer die folgenden Aufnahmevoraussetzungen erfüllen:
  • mindestens 1 Jahr praktisch – klinische Tätigkeit seit dem Examen?
  • mindestens 6 Monate praktisch – nephrologische Tätigkeit?
  • Wie viele Stunden an theoretischem Unterricht sind im Curriculum des Kurses vorgesehen?

Diese Punkte sind durch die Prüfungs- und Weiterbildungsverordnung der Deutschen Krankenhausgesellschaft vorgegeben und von daher vorgeschrieben.

  • Werden die nachfolgenden Methoden im theoretischen Unterricht eingesetzt:
  • Präsentation durch Kursteilnehmer?
  • Frontalunterricht / Vorlesung?
  • Gruppenarbeit?
  • Rollenspiel?
  • Praktische Übung an Modellen (z.B. Reanimation, Auf- und Abrüsten einer Dialysemeaschine etc.)?
  • Selbsterarbeitung des Stoffes unter Anleitung des Lehrers?
  • Fernstudium?

Hier wird eine, meiner Meinung nach, positive Vielfalt der Unterrichtsmethoden eingefordert. Dies ist bisher die erste Nachfrage innerhalb der nephrologischen Weiterbildung, die sich Gedanken über die unterrichtliche Methodenvielfalt macht.

  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden angeboten über:
  • Die historische Entwicklung der Nierenersatztherapie?
  • Rechtliche Aspekte?
  • Ethik?
  • Ethnische und kulturelle Besonderheiten?
  • Wirtschaftliche Aspekte?
  • Pflegeprozeß, -modelle, Methoden der Pflege?
  • Pflegeforschung?
  • Qualitätssicherung?
  • Den Lehr- / Lern – Prozeß?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über das chronische Nierenversagen angeboten?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über Haemodialyse angeboten?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über Peritonealdialyse angeboten?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über Nierentransplantation angeboten?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über das akute Nierenversagen angeboten?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über Kindernephrologie angeboten?
  • Wie viele Stunden theoretischen Unterrichts werden über psychologische Aspekte der Nierenheilkunde angeboten?

Hier die Frage nach der Verteilung der theoretischen Unterrichtsstunden. Die Gesamtzahl und Verteilung ist ebenfalls durch die Prüfungs- und Weiterbildungsverordnung der Deutschen Krankenhausgesellschaft vorgegeben. Es ist natürlich möglich, über die Stunden dieser Verordnung hinaus zu gehen. Ein Unterschreiten der Vorgaben ist, um die Anerkennung der DKG nicht zu gefährden, nicht durchführbar.

Der nächste Bereich befaßt sich mit den praktischen Einsätzen der Kursteilnehmer in ihrer Weiterbildung.

  • Wie viele Stunden verbringen die Teilnehmer im praktisch – klinischen Einsatz?
  • Haben die Studenten klinische Erfahrung in folgenden Bereichen:
  • Hämodialyse?
  • Peritonealdialyse?
  • Nierentransplantation?
  • Nephrologische Ambulanz?
  • Internistisch – nephrologische Intensivstation?
  • Nephrologische Pflegestation?
  • Kindernephrologie?
  • Heimverfahren?
  • Wie viele Stunden verbringen die Teilnehmer in folgenden praktisch – klinischen Einsatzbereichen:
  • Hämodialyse?
  • Peritonealdialyse?
  • Nierentransplantation?
  • Nephrologische Ambulanz?
  • Internistisch – nephrologische Intensivstation?
  • Nephrologische Station?
  • Kindernephrologie?
  • Heimverfahren?
  • In anderen Gebieten (bitte spezifizieren)?
  • Wie viele Stunden aktive klinische Unterweisung / Praxisanleitung erfährt der Student während des Kurses?
  • Erwerben die Studenten im Laufe des Kurses die Fähigkeiten, in folgenden praktisch – klinischen Einsatzbereichen der nephrologischen Pflege sicher und ohne Supervision tätig zu sein:
  • Hämodialyse? / Peritonealdialyse?
  • Nierentransplantation?
  • Nephrologische Ambulanz?
  • Internistisch – nephrologische Intensivstation?
  • Nephrologische Station?
  • Kindernephrologie?
  • Heimverfahren?

Hier gibt es eine Auflistung der praktischen Tätigkeiten, die weit über das Maß der Nachweise gegenüber der Deutschen Krankenhausgesellschaft geht. Insbesondere sind die Weiterbildungsstätten aufgefordert, sich Gedanken über die sichere Arbeitsweise in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern der nephrologischen Pflege zu machen. Die Sichtweise nur auf ein Teilgebiet, wie der Hämodialyse, wird zugunsten einer erweiterten Sichtweise der nephrologischen Pflege, Platz gemacht.

Der letzte Bereich der von der EDTNA/ERCA abgefragt wird, befaßt sich mit weiteren Akkreditierungen oder Anerkennungen, die die Weiterbildungsstätte schon erhalten hat.

  • Wurde der Kurs durch eine externe Institution akkreditiert oder validiert?
  • Von wem wurde er akkreditiert?
  • Ab welchem Zeitpunkt wurde er akkreditiert?
  • Für welchen Zeitraum wurde die Akkreditierung ausgesprochen?
  • Wurde die Weiterbildungsstätte von einem Mitglied des Akkreditierungsteams besucht?

Hier konnten wir die Zulassung als DKG – anerkannte Weiterbildungsstätte angeben. Jedoch ist die Anerkennung ohne zeitliche Befristung ausgesprochen. Des weiteren erfolgte kein Besuch unserer Weiterbildungsstätte, im Rahmen der Anerkennung, durch Mitglieder der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Vorstellung einer kontinuierlichen Qualitätsüberprüfung hat sich im deutschsprachigem Raum noch nicht so durchgesetzt. Diese Form der Überprüfung ist in England im Bereich der pflegerischen Weiterbildung anscheinend schon weiter entwickelt. Die Zukunft wird zeigen, ob sich eine solche Sichtweise in Deutschland einführen läßt.

Zusammengefaßt kann man sagen, daß die Akkreditierung einer nephrologischen Weiterbildungsstätte einen Qualitätsanspruch nach sich zieht, der bisher in pflegerischen Weiterbildungen, nach meiner Kenntnis, einmalig ist. Insbesondere wird deutlich, daß neben den Strukturmerkmalen auf die Prozeße und Ergebnisse einer Weiterbildung ein hohes Augenmerk gelegt wird. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die deutschen nephrologischen Weiterbildungsstätten, unter wirtschaftlichen Zwängen liegend, diese EDTNA/ERCA Akkreditierung einführen. Als Weiterbildungsstätte des Pilot – Projektes haben wir für ein Jahr die Akkreditierung erhalten. Im Jahre 2002 werden wir die Anerkennung, mit einem dann weitergebildeten Lehrer für Pflegeberufe, erneut beantragen.

4. Zusammenfassung und Stellungnahme des Autors

Die Entwicklung der deutschen nephrologischen Pflege bis zur akkreditierten Weiterbildung, wohl mit das wichtigste Thema für einen „angehenden Lehrer für Pflegeberufe“ der in dem Bereich der Weiterbildung für nephrologisches Pflegepersonal arbeitet. Diese Arbeit hat sowohl mein Wissen wie auch mein eigenes Berufsverständnis erweitert. Es ist mir nun möglich, in meinen berufskundlichen Unterrichten zu verschiedenen Themen ein umfassendere Erklärung den Teilnehmern zu vermitteln. Die wichtigsten Kernaussagen kann man folgendermaßen zusammenfassen:

  • In der Zeit vor der Nierenersatztherapie gab es schon ein erstaunlich hohes medizinisches Wissen. Die Pflegekräfte versuchten den damaligen Patienten Linderung zu verschaffen.
  • Mit der maschinellen Nierenersatztherapie, die Ära der technischen Fähigkeiten, mit den Auswirkungen auf das Pflegeverständnis, die Stellenberechnung und die zu dieser Zeit angebotenen Fortbildungsangebote.
  • Die heutige, meiner Meinung nach spannende Zeit, in der sich das Pflegeverständnis deutlich wandelt. Der Patient rückt wieder in den Mittelpunkt unserer pflegerischen Bemühungen. Nachdem das „technische Überleben“ gesichert ist, soll sich die Lebensqualität der nephrologischen Patienten steigern. Diese geänderte Sichtweise hat sich schon in der Stellenberechnung und den Weiterbildungsangeboten niedergeschlagen. Natürlich ist ein fundiertes technisches Wissen heute auch noch wichtig und wird in der Weiterbildung zur Nephrologischen Pflegekraft unterrichtet und geprüft. Die ganzheitliche Betrachtung des nephrologischen Patienten rückt wieder in den Vordergrund. Eine Reduzierung auf das Organversagen ist, wie evt. bis noch vor einiger Zeit, nicht mehr denkbar.
  • Teilnehmer einer akkreditierten nephrologischen Weiterbildungsstätte erhalten eine Weiterbildung die den heutigen Bemühungen Rechnung trägt. Das veränderte, den Patienten in den Mittelpunkt rückende Pflegeverständnis, ist eine logische Weiterführung der stetig dynamisch fortschreitenden Entwicklung der nephrologischen Pflege. Sie sichert europaweit den Pflegekräften eine fundierte und qualitativ hochwertige Weiterbildung zu. Insbesondere in Zeiten der fallenden Grenzen ist dies sicherlich der richtige Weg, nicht zuletzt ein Weg den andere Bereiche der Pflege auch einschlagen werden. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Weg weiterverfolgt wird oder ein noch nicht vorhersehbarer Weg beschritten werden muß.

Michael Reichardt

Weiterbildungsstätte nephrologischer Zentren Rhein-Ruhr

5. Literaturverzeichnis

Atkin, Marie Luise, Fenselau, Josefa, Gorke, Alois, Rüger, Dieter „Grundlagen der nephrologischen Pflege“, Handbuch zu beziehen über den deutschen Zweig der EDTNA/ERCA, Josefa Fenselau, Pfarrer Küpper Str. 20, 53347 Alfter, 1996, anläßlich eines EDTNA/ERCA Seminares in Hamburg abgedruckt.

Balhorn, Jutta, „Patientenkategorisierung zur Berechnung des Patienten-Personalschlüssels“, EDTNA/ERCA Journal Januar bis März 1998, F-Twee publishers, 1998

Breuch, Gerd, „Fachpflege Nephrologie und Dialyse“; Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 2000

Deutscher Zweig der EDTNA/ERCA, „Nephrologische Pflege 2000“, Lengerich, Pabst Science Publishers Verlag,

Deutscher Zweig der EDTNA/ERCA, „Lehrplan für den theoretischen Unterricht“, EDTNA/ERCA, 1995

Eco, Umberto, „Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt“, C. F. Müller Juristischer Verlag GmbH, Heidelberg, 1993

Franz, Hans E., „Dialyse für Krankenpflegeberufe“, Georg Thieme Verlag, Stuttgart New York, 1992

Franz, Hans Eduard, Hörl, Walter H., „Blutreinigungsverfahren“, Georg Thieme Verlag, Stuttgart New York, 1997, 5. Auflage

Franz, Hans E., „Dialyse 1988“, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 1988

Frei, U., Schober-Halstenberg, H.-J., „Nierenersatztherapie in Deutschland“, Quasi-Niere gGmbH, Berlin, 2000

Frey, Walter, Suter, Friedrich, „Handbuch der Inneren Medizin“, Berlin, Göttingen, Heidelberg, Springerverlag, 1951 4. Auflage

Geisler, Linus, „Innere Medizin II, Stuttgart Berlin Köln Mainz, Verlag W. Kohlhammer, 1977 Siebente Auflage

Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen, Sonderveröffentlichung 1998, Anlage 9

Juchli, Liliane, „Allgemeine und spezielle Krankenpflege“, Stuttgart, Georg Thieme Verlag, 1976 2. Auflage

Kann, Dr. med. M., „Der Arzt im Hause“, Leipzig-Wahren, Friedrich Maack Verlagsbuchhandlung, 1930, Band 2

König, Dr. F., „Ratgeber in gesunden und kranken Tagen“, Leipzig, Dr. Karl Meyer G. m.b.H., 1921, 16. Auflage

Kurtenbach, Golombek, Siebers, „Krankenpflegegesetz“, Stuttgart, Kohlhammer Verlag, 1998 5. Auflage

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